Denk-mal-LaborAstrid Mendes
Astrid Mendes mit Kollegin am Laptop

Referenzen

Führungen
zum Tag des Denkmals
in Regensburg

Die alljährlichen Führungen sind eine große Bereicherung für mich. Ich habe Freude daran mich jedes Jahr mit einem neuen Motto auseinanderzusetzen. Hierfür recherchiere in Fachliteratur und Untersuchungsberichten von Restauratoren, um eine lebhafte Führung vorzubereiten.

Dadurch möchte ich bei den Besuchern Neugierde erwecken, um eine Identifikation mit ihrer Stadt zu ermöglichen.

2025: WERT-voll: unbezahlbar oder unersetzlich?

Kunstwerke sind aufgrund ihrer Alleinstellungsmerkmale unersetzlich. Verbunden damit ist der geschichtliche Kontext, in welchem Bauwerke entstanden sind.

Innenraum St. Leonhard

Ich gebe einen Einblick in zurückliegende Epochen. Bei der Kirche St. Leonhard in Regensburg ist zwar der Anlass für die Erbauung ungeklärt, jedoch ist sie architektonisch ein Juwel und die Gebäudenutzung geschichtsträchtig. Bis auf die Tatsache, dass die Kirche in der Frühzeit außerhalb der Stadtgrenze lag, ist sie urkundlich ab dem 13. Jahrhundert als Johanniterkommende fassbar. Als Erbauungszeit wird anhand typologischer Vergleiche 1130 angenommen. Belege für die Datierung sind die vier Rundsäulen und die Gliederung in drei gleich hohe Schiffe. Somit zählt St. Leonhard zu den ersten Hallenkirchen im Bayerischen Raum. Putzuntersuchungen der Raumschale geben Zeugnis über den ursprünglichen baulichen Bestand und die Veränderungen. So wurde beispielsweise im Zuge der Bauforschung entdeckt, dass der Zugang zu dem Klostergarten in einem späteren Jahrhundert zugemauert wurde.

2024: Wahrzeichen, Zeitzeugen der Geschichte.

Im Zeichen des digitalen Zeitalters sehnen wir uns nach wahrhaftigen Quellen, die uns selbst noch nach Jahrhunderten von zeitgeschichtlichen Inhalten berichten können: Dazu gehören Brunnen. Die Schaffung der Infrastruktur ist für die Wasserversorgung der Städte bedeutsam. Da sich das öffentliche Leben auf den Plätzen abspielt, gewinnen Brunnen in der frühen Neuzeit als Vermittler von Botschaften zunehmende Bedeutung. Wir besichtigen drei Brunnen am Haidplatz, am Fischmarkt und im Innenhof des Alten Rathauses (Ungelthof). Sie sind den

tugendhaften Eigenschaften: Gerechtigkeit, Wehrhaftigkeit und Frieden, gewidmet. Das ikonografische Programm dient dazu, sich mit den politischen Zielen der Regierung zu identifizieren.

Brunnen am Haidplatz
Friedrich Bernhard Werner, Kupferstich des Haidplatzes, 1740
Brunnen im Innenhof des Alten Rathauses

2023: Vorhang auf für alle Denkmal-Talente

Denkmäler erfüllen neben der Fülle an schmückenden Attributen auch einen Zweck. Im Zeitalter des Barocks spielte die Repräsentation eine große Bedeutung. Diese war verbunden mit der Vermittlung von Wissen, die Erlernung schöner Künste, darunter Literatur und Musik. Um diese Künste stilgemäß umzusetzen, werden entsprechende höfische Räume benötigt: Schloss Höfling ist ein Ort der Begegnung für diese Künste. Der jetzige Pächter Graf von Walderdorff, führt, indem er das Regensburger Publikum in sein Schloss einlädt und Konzerte veranstaltet, das kulturelle Erbe fort. Darüber hinaus hält er die Innenräume instand und kümmert sich um den Schlosspark, der mit barocken Steinskulpturen ausgestattet ist.

Schloss Höfling

Das Häuserensemble in dem Straßenzug der Landshuterstraße zeigt teilweise noch den historischen Bestand auf.

Herausgegriffen wurde das alte Finanzamt, dessen Fassade detailgenau restauriert wurde. Daran ist erkennbar, was ein Denkmal leisten kann. Die Erhaltung solcher Bauwerke ist für nachkommende Generationen gesellschaftsrelevant.

Altes Finanzamt Regensburg

2022: Kulturspur. Ein Fall für den Denkmalschutz

Manchmal scheint es, als wären alle Spuren verwischt. Signaturen sind nicht eindeutig, aber trotzdem ist die künstlerische Handschrift unverwechselbar. Frau Mendes stellt die künstlerisch ambitionierte Dame Karolina „Lina" Ammer, geb. 1871 in Landau vor. Die Mutter schickte das begabte Mädchen von 1887–1871 auf die königliche Kunstgewerbeschule in München. Sie schaffte es eine von wenigen Frauen um die Jahrhundertwende von 1892 bis 1894 Kunstreisen nach Paris, Italien, Böhmen, Dresden vorzunehmen. Nach der Gründung einer privaten Malschule 1894 gab sie später Malunterricht an der Mädchenschule des Niedermünsterordens in Regensburg und förderte dort insgesamt 5.000 Schülerinnen künstlerisch. 1924 gründete Lina Ammer die Künstlervereinigung „die Eule". In der Folge war sie an zahlreichen Ausstellungen in Regensburg, München, Nürnberg und St. Gallen beteiligt.

Bleistiftzeichnung vom Fischmarkt von Lina Ammer

Ihre späteren Bilder zeichneten sich durch einen modernen und schemenhaften Stil aus, der zu ihrem Markenzeichen wurde. Besonders die Bleistiftzeichnung vom Fischmarkt (1908) in Regensburg zeigt eindrucksvoll, wie sie traditionelle Formen auflöste. So ist Betriebsamkeit der Käufer und Verkäufer an den acht Fischbänken und die Baumkronen in kubistischen Formen wiedergegeben. Hier ist eindeutig zu erkennen, dass Lina Ammer mit konventionellen Sehgewohnheiten brach und neue Ausdrucksformen wagte.

Kirche Hohes Kreuz Innenraum

2021: Sein & Schein in Geschichte, Architektur, Denkmalpflege

Das diesjährige Motto „Sein & Schein" spiegelt sich, in Bauarchitektur der Kirche Hohes Kreuz, wider. Bei der Betrachtung des regelmäßigen Innenraums lassen sich Bezüge zu antiker Formensprache herstellen. Architekt Becker folgte bei seinem 1952 errichten Neubau 11 Thesen, von denen eine den Grundsatz verfolgte, dass eine neue erbaute Kirche keinem Industriebau gleichen soll, sondern als Versammlungsort für zahlreiche Menschen fungiere. Dies entspricht dem Konzept antiker Tempelbauten, bei dem zahlreiche Pilger zur Verehrung der Gottheiten aufgenommen werden können. Der Raumschmuck spiele nach Beckers Konzept dabei eine untergeordnete Rolle. Das Zitat des Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti würde an dieser Stelle zutreffen: „Der Schmuck des Gebäudes sei ein unterstützender Schimmer, der das Gebäude ergänzt". Es erweckt den Anschein, als würde Becker auch dieser Weisung nachkommen.

2020: Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken.

Die im 19. Jahrhundert entstandenen Vorstadtvillen geben Auskunft über die Bauverordnung, die Hygienevorschriften und die Wasserversorgung. Diese neuen Vorschriften sorgen beispielsweise für ausreichend Abstandsflächen zwischen den Häusern und lassen schöne Vorgärten mit reichem Baumbestand entstehen.

Vorstadtvillen aus dem 19. Jahrhundert
Gloriakino Regensburg

2019: Modern(e) Umbrüche in Kunst und Architektur

Astrid Mendes stellt Bauwerke vor, deren Funktion einen Umbruch darstellen: Anhand des Gloriakinos in Regensburg erkennen wir den Anbruch des modernen Zeitalters. Der Architekt Paul Bode schuf einen halbrunden Raum, der eine neue Bautypologie ins Leben ruft. Ebenso zeitgemäß waren Versammlungsorte für Werktätige und Auszubildende in dem neu erbauten Kolpinghaus.

Umbrüche in der Gesellschaft sind epochenübergreifend und bringen Veränderungen der Architekturformen mit. Die Abkehr vom Altertümlichen erfordert innovative Umsetzungsmethoden wie wir anhand der Bauhausarchitektur feststellen.

2018: Entdecken, was uns verbindet.

In der Renaissance machte man sich auf die Spurensuche des fremdländischen und bezog Farben und Materialen in den Werdeprozess der Gestaltung ein. Frau Mendes stellt anhand von Farbaufstrichen bestehend aus Pflanzenstoffen und Edelsteinen die Vorgehensweise vor. Das Altarretabel in Karthaus Prüll von 1605 in Regensburg lädt zur Betrachtung der verwendeten Materialien ein, mit denen wertvolle Seidengeweben an den Gewändern der Skulpturen des Hochaltars imitiert wurden. Einzigartig ist die Oberflächengestaltung der rahmenden Säulen des Hochaltars, die mit Weizenkörnern belegt und im Anschluss mit Blattgold belegt worden sind. Diese schillernde Oberfläche soll eine Goldgranulation imitieren, die aus der Goldschmiedetechnik stammt.

Hochaltar Karthaus Prüll
Eleonora Toledo
Weizenkörner am Hochaltar
Goldgranulation

2017 Artige Kunst, Führung durch die Ausstellung „artige Kunst" Kunst und Politik im Nationalsozialismus, Ostdeutsche Galerie Regensburg

Heroisierende Soldatendarstellung von Sepp Happ, 1945

Die Ausstellung in der Ostdeutschen Galerie zeigt avantgardistische Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten mit dem diffamierenden Begriff „entartet" betitelt worden sind.

Gegenüberstellend sind heroisierende Kunstwerke von 1945 von Sepp Happ sowie das Gemälde „das Haus der Deutschen Kunst und sein Erweiterungsplan" von Otto Albert Hirth (1899–1969) zu nennen. Frau Mendes führt durch die Ausstellung mit dem Blick auf die Bauprojekte, die regimetreue Künstler präsentierten. Im Nationalsozialismus dienten die Bauwerke der Machtentfaltung. Der Umbau der Gesellschaft sollte mit Hilfe der Architektur und den städtebaulichen Maßnahmen öffentlich gezeigt werden. Albert Speer (1905–1981) und Paul Troost (1878–1934) wurden mit der Planung der repräsentativen Bauten betraut. Das Landschaftsgemälde von Erich Mercker (1891-1973) zeigt die Granitabbrüche in Flossenbürg mit arbeitenden Menschen. Hinter der idyllisch wirkenden Arbeitswelt verbirgt sich jedoch die Zwangsarbeit durch KZ-Häftlinge, die eingesetzt wurden, um Bauprojekte zu realisieren. Die Ausstellung regt an, sich mit den Exponaten kritisch auseinander zu setzen.

Workshop über historische Bautechniken
im Freilandmuseum Neusath-Perschen

Im Rahmen meiner Dozententätigkeit am Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen richtete sich der angebotene Kurs gezielt an Eigentümer denkmalgeschützter Häuser, die vor der Herausforderung stehen, ihre Gebäude fachgerecht zu restaurieren und langfristig zu erhalten. Die praxisnahe Vermittlung bot den Teilnehmenden konkrete Hilfestellungen für die Werterhaltung ihrer Bausubstanz.

Die klar strukturierte Einführung in das Zusammenspiel von mineralischen Putzen und Kalkanstrichen ermöglichte den Teilnehmern ein fundiertes Verständnis für das abgestimmte System beider Komponenten. Anschaulich wurde der Herstellungs- und Trockenprozess von Kalk erläutert, unterstützt durch eine Grafik zum Ablauf für die Zielgruppe nachvollziehbar und praxisnah darstellte.

Im praktischen Teil des Workshops stellten die Teilnehmer gemeinsam einen holzgebranntem Marmorsumpfkalk her und den sie auf eine Oberfläche auftrugen. Voraussetzung hierfür war ein passender mineralischer Putzuntergrund.

Die Zugfähigkeit des Putzes wurde bei Bedarf durch die Zugabe von Kälberhaaren verbessert, was ein bewährtes Verfahren zur Stabilisierung historischer Putzsysteme ist.

Verschiedene Oberflächenqualitäten wurden anhand spezieller Techniken wie Besenputz und Kammputz vorgestellt und in eigenen Übungen umgesetzt. Die anschauliche Präsentation und die praktische Bearbeitung der Putzoberflächen boten den Teilnehmenden die Möglichkeit, direkt an eigenen Beispielen zu arbeiten und die Techniken zu erproben.

Der Auftrag des verdünnten Kalks erfolgte in mehreren Schichten, wobei die Einhaltung der Trockenzeiten von jeweils acht Stunden praxisnah vermittelt wurde.

Die Teilnehmer konnten das Gelernte unmittelbar anwenden und erhielten wertvolle Tipps für die Umsetzung in eigenen Projekten.

Freilandmuseum Neusath-Perschen
Workshop im Freilandmuseum

Praxisorientierter Workshops zu historischen
Malmaterialien und Pigmenten

Grundlagen der Malfarben

Malfarben bestehen im Wesentlichen aus zwei zentralen Komponenten: dem Pigment und dem Bindemittel. Das Pigment ist für die eigentliche Farbgebung verantwortlich. Es verleiht der Farbe ihren spezifischen Ton und ihre Intensität. Das Bindemittel hingegen erfüllt die wichtige Funktion, die Pigmente auf dem Malgrund – also beispielsweise Leinwand, Holz oder Papier – zu fixieren und den Farbauftrag überhaupt zu ermöglichen.

Erst durch das Zusammenspiel von Pigment und Bindemittel entsteht eine gebrauchsfähige Malfarbe, die sich gleichmäßig und stabil auftragen lässt.

Deckende und lasierende Farben:

Ein grundlegendes Unterscheidungsmerkmal bei Malfarben stellt die Differenzierung zwischen deckenden und lasierenden Farben dar. Deckende Farben besitzen die Eigenschaft, den darunterliegenden Untergrund vollständig zu überlagern. Sie sorgen somit für eine gleichmäßige, blickdichte Farbschicht. Im Gegensatz dazu sind lasierende Farben transparent. Sie lassen den Untergrund durchscheinen, sodass dieser weiterhin sichtbar bleibt und zur Wirkung des Gesamtbildes beiträgt.

Farbproben
Historische Pigmentsammlung

Teil des Seminars am Institut für Kunsterziehung

Begleitend zu einem Seminar am Institut für Kunsterziehung der Universität Regensburg erhielten die Teilnehmer einen praxisnahen Einblick in die Welt der historischen Malmaterialien. Ziel des Workshops war es, die Zusammensetzung und Anwendung traditioneller Pigmente anhand praktischer Beispiele zu vermitteln. Die Teilnehmenden konnten dabei nicht nur theoretisches Wissen erwerben, sondern auch die verschiedenen Pigmente direkt kennenlernen und deren Eigenschaften im Umgang mit historischen Maltechniken erfassen. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Materialien wurde das Verständnis für die Vielfalt und Bedeutung der Pigmente in der Kunstgeschichte vertieft.

Kurzworkshop im schulischen Kunstunterricht

Im Kunstunterricht an Schulen wurde ein Kurzworkshop durchgeführt, der einen Einblick in die praktische Anwendung von Pigmenten und Farbstoffen ermöglichte. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den Materialien wurde das Verständnis für die Vielfalt und Bedeutung der Pigmente in der Kunstgeschichte nachhaltig vertieft.

Herkunft und Vielfalt historischer Pigmente

Die Einführung in die Herkunft der Pigmente und ihre chemische Zusammensetzung zeigte die Vielfalt der verwendeten Materialien: Neben anorganischen Farberden und Mineralien nutzten Künstler pflanzliche und tierische Produkte, deren Verarbeitung spezielles Fachwissen erforderte. Im Laufe der Geschichte kamen zudem künstlich hergestellte Pigmente hinzu.

Ein besonderes Highlight im Unterricht stellt meine historische Pigmentsammlung dar. Die Schüler können dabei verschiedene traditionelle Farbstoffe direkt erleben. Dazu gehören das kräftige Rot aus dem Saft der Krappwurzel, ein unverwechselbares grünes Pigment aus pulverisiertem Gestein aus Benediktbeuren und das berühmte Gelb aus Siena. Auch tierische Erzeugnisse wie das Cochenille-Rot, das aus Blattschildläusen gewonnen wird, finden Verwendung.

Materialien im Kunstunterricht
Astrid Mendes im Atelier

Bedeutung der Pigmentanalyse für die Kunstgeschichte

Die Analyse und Identifizierung der in einem Kunstwerk verwendeten Pigmente ist von zentraler Bedeutung für die kunsthistorische Forschung. Sie ermöglicht es, Rückschlüsse auf die Entstehungszeit eines Werkes zu ziehen, da Künstlerinnen und Künstler in verschiedenen Epochen nur einen begrenzten Zugang zu bestimmten Pigmenten hatten. Erst mit dem technischen Fortschritt wurden neue, moderne Pigmente entwickelt und kamen nach und nach in der Kunst zum Einsatz.

Original oder Fälschung?

Dieses Wissen um die zeitliche Verfügbarkeit von Pigmenten ist ein wesentliches Werkzeug, um Originale von späteren Fälschungen zu unterscheiden. Wird in einem vermeintlich alten Kunstwerk ein Pigment identifiziert, das erst deutlich später entwickelt wurde, liefert dies einen entscheidenden Hinweis auf eine nachträgliche Veränderung oder gar eine Fälschung. So trägt die Pigmentanalyse maßgeblich zur Authentifizierung und zur kunsthistorischen Einordnung von Gemälden und anderen Kunstobjekten bei.

Praktische Beispiele erzeugen Atelierstimmung

Um die Eigenschaften und die Verarbeitung dieser Pigmente besser zu verstehen, wurden Farbproben angefertigt. Hierbei mischten die Teilnehmer die Pigmente mit selbst hergestellter Eitempera, was ihnen einen vertieften Einblick in die traditionelle Maltechnik und das Zusammenspiel der einzelnen Materialien ermöglichte. Die praktische Erfahrung förderte das Verständnis für die Vielfalt und Besonderheiten historischer Farbstoffe und deren Bedeutung in der Kunst.

Werkzeuge, Blattgold und Materialien für einen Vergolderkurs

Vergolderkurs

In den unterschiedlichen Epochen kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Mit Vorliebe werden Gravuren in der Barockzeit verwendet. So schmücken Gravuren, die mit Glanz- und Mattvergoldung gestaltet wurden, Türen und Bilderrahmen sowie Wandpaneele in den Räumen der Schlösser. Ich zeige unterschiedliche Methoden der Untergrundbearbeitung und die Besucher dürfen auch die Blattgoldvergoldung testen.

Archivforschung

Die sorgfältige Untersuchung der restauratorischen Maßnahmen an der Kunstausstattung der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Veit begann mit einer systematischen Bestandserfassung sämtlicher Kunstobjekte in der Kirche. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den Flügelaltären, unter denen sich Tafelmalereien von Michael Wolgemut (1434–1519), einem der bedeutendsten Vertreter der Nürnberger Schule, befinden. Dadurch konnte herausgestellt werden, wie die einzelnen Restaurierungen über die Zeit hinweg erfolgten und in welchem Maße die jeweiligen historischen Gegebenheiten Einfluss auf die Pflege und den Erhalt der Kunstwerke nahmen. Auf diese Weise wurde die Entwicklung der restauratorischen Praxis an der Kunstausstattung der Kirche St. Veit transparent und nachvollziehbar gemacht.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die genaue Kenntnis der verwendeten Materialien. Ein fundiertes Materialwissen ist essentiell, um das Original von späteren Restaurierungseingriffen unterscheiden zu können. In Fällen, in denen Unklarheiten bestehen, können naturwissenschaftliche Methoden vorgenommen werden, um die eingebrachten Materialien nachzuweisen. Diese Herangehensweise gewährleistet, dass die Kunstwerke nicht nur historisch korrekt eingeordnet, sondern auch fachgerecht präventiv und restauratorisch behandelt werden.

Diese Erkenntnisse flossen mit in das Restaurierungskonzept ein.

Archivaufnahme
Flügelaltar St. Veit
Ernst Ludwig Kirchner, Die Straßenszene

Provenienzforschung

Im Rahmen meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit sowie durch die Teilnahme an einem Provenienzforschungsseminar unter der Leitung des renommierten Münchner Experten Dr. Felix Billeter habe ich fundierte Kenntnisse in den wesentlichen Aufgabenfeldern der Provenienzforschung erworben.

Der universitäre Kurs bot mir die Gelegenheit, mich intensiv mit der Thematik der Restitution des Gemäldes „Die Straßenszene" (1913/1915) von Ernst Ludwig Kirchner auseinanderzusetzen und die Rolle des Kunsthandels während des Nationalsozialismus zu analysieren. Dabei wurde mir deutlich, dass die während dieser Zeit erlassenen Gesetze gezielt darauf abzielten, Kunstsammlungen von diskriminierten Bevölkerungsgruppen zu enteignen. Diese Erkenntnisse führten dazu, dass mein Interesse und mein Wunsch, im Bereich der Provenienzforschung tätig zu werden, nachhaltig gestärkt wurden.